Nur Mörder dürfen - Ihre Feinde +++ Ihre Rituale +++ Ihre schlimmsten Verbrechen +++ Was US-Präsident Trump dazu sagt

Mitglieder der Mara Salvatrucha in einem Gefängnis in Honduras. Die Gang ist vor allem in Nord- und Mittelamerika aktiv
Mitglieder der Mara Salvatrucha in einem Gefängnis in Honduras. Die Gang ist vor allem in Nord- und Mittelamerika aktiv

Los Angeles – Wer bei der gefährlichsten Gang der Welt anheuert, muss sein Leben der extremsten Gewalt weihen. Denn die Mara Salvatrucha (MS-13) akzeptiert nur Mörder als Mitglieder.

Nicht ohne Grund wird die MS-13 bei der US-Bundespolizei FBI als „transnationale kriminelle Organisation“ geführt. Allein in den USA soll es laut FBI 6000 Mitglieder geben. Weltweit werden dem mörderischen Netzwerk mindestens 100 000 Angehörige zugerechnet.
Je mehr Tattoos, desto mehr hat sein Träger auf dem Kerbholz
Je mehr Tattoos, desto mehr hat das Bandenmitglied auf dem Kerbholz (hier ein Mitglied der mit MS-13 konkurrierenden Bande Mara-18)Foto: REUTERS

Erst ein Mord, dann gibt's PrügelDas Aufnahmeritual ist stets das gleiche: Jeder Anwärter muss sich von Mitgliedern der Gang verprügeln lassen. Während auf den „Kandidaten“ unbarmherzig eingedroschen wird, zählen die Umstehenden ganz langsam von eins bis dreizehn.

Ein inhaftiertes Mitglied der Mara „18“
Ein inhaftiertes Mitglied der Mara 18 Foto: REUTERS

Weibliche Anwärter können zwischen zwei Formen der „Prüfung“ wählen: Entweder sie lassen sich verprügeln – oder sie unterziehen sich einer Gruppenvergewaltigung durch 13 Mitglieder.

Sie nennen es „verrücktes Leben“

Doch bevor es überhaupt dazu kommt, müssen Anwärter zunächst ihre grundsätzliche Eignung unter Beweis stellen: Sie müssen ein Mitglied einer rivalisierenden Bande ermorden.
Ein Gangmitglied von MS-13 nach seiner Festnahme in San Salvador (Archivfoto von 2015)
Ein Gangmitglied von MS-13 nach seiner Festnahme in San Salvador (Archivfoto von 2015)Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Bandenmitglieder selbst bezeichnen ihre von Gewaltexzessen gekennzeichnete Existenz als „Vida Loca“ - als „verrücktes Leben“. Dabei währt das Leben eines MS-13 Mitglieds selten lange.

Denn wer sich der Brutalo-Gang anschließt, ist nicht nur ein Mörder. Er erleidet in der Regel selbst einen gewaltsamen Tod – oder landet auf Nimmerwiedersehen hinter Gittern.
Mutmaßliche MS-13 Mitglieder in San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador
Mutmaßliche MS-13 Mitglieder in San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador (2016)Foto: AFP/Getty Images

Die Ursprünge der Mara Salvatrucha reichen zurück in die 1980er Jahre. Weil in El Salvador ein blutiger Bürgerkrieg tobte, flohen viele Bürger Richtung Norden. In den USA stieg die Zahl der Migranten aus dem mittelamerikanischen Land zwischen 1980 und 1990 von 94 000 auf 465 000 Menschen.

Viele siedelten sich im Großraum Los Angeles an – und gerieten in Konflikt mit bereits dort ansässigen Gangs. Um sich besser gegen die Angriffe insbesondere mexikanischer Gangs zu wappnen, formierten sich die Neuankömmlinge zu Banden – in Mittelamerika „Maras“ genannt.
Die Bezeichnung „Salva“ bezieht sich auf die Herkunft, El Salvador. „Trucha“ wird umgangssprachlich für „clever, schlau“ benutzt.
Polizisten filzen einen MS-13 Gangster in San Juan Opica (El Salvador, 2008)
Polizisten präsentieren einen MS-13 Gangster in San Juan Opica (El Salvador, 2008) Foto: picture-alliance/ dpa

Ihr Vorteil: Viele waren gestählt aus dem Bürgerkrieg und absolut skrupellos. So sollen MS-13 Gangmitglieder Rivalen ohne erkennbare Rührung auf offener Straße mitten ins Gesicht geschossen haben.

Salvatrucha-Gang expandiert  

Die erste Mara Salvatrucha-Gang soll sich 1991 im San Fernando Valley von Los Angeles herausgebildet haben. Ihr Name war „La Fulton“, der Anführer trug den Spitznamen „Satan“. Mit ihr konkurrierten 75 weitere Gangs um die Vorherrschaft – die MS-13 war mit allen verfeindet.
Polizei-Spezialkräfte mit festgenommenen MS-13 Mitgliedern nach einer Anti-Gang-Operation 2005 in Honduras
Polizei-Spezialkräfte mit festgenommenen MS-13 Mitgliedern nach einer Anti-Gang-Operation 2005 in Honduras Foto: REUTERS

Ab Mitte der 1990er Jahre wollten die USA härter gegen illegale Einwanderer vorgehen. Ein neues Gesetz erlaubte es, kriminelle Ausländer, die zu mindestens einem Jahr Gefängnis verurteilt worden waren, in ihre Heimatländer abzuschieben.

Was auch geschah: Zwischen 2000 und 2004 wurden rund 20 000 Menschen in ihre Heimatländer verfrachtet. Damit nahm ein neues Verhängnis seinen Lauf… 
Gang-Mitglieder von MS-13 in einer überfüllten Zelle in San Salvador (2012)
Gangmitglieder von MS-13 in einer überfüllten Zelle in San Salvador (2012) Foto: REUTERS

Die in den USA großgewordenen Gang-Mitglieder sprachen nur leidlich spanisch, suchten daher vor allem Kontakt zu ihresgleichen. In ihren Geburtsländern galten sie zudem als straffrei, so konnten sie problemlos neue Strukturen aufbauen.

Nachwuchssorgen gab es auch keine. Das bitterarme El Salvador litt noch immer unter den Nachwirkungen des Bürgerkrieges, viele Jugendliche sahen für sich nur eine Perspektive: Als Gangmitglied ein Stück vom Wohlstandskuchen zu erhaschen.

„Töten, vergewaltigen, kontrollieren“

Neben den mittelamerikanischen Ländern El Salvador, Guatemala und Honduras sind MS-13 Gangs vor allem in den USA und Mexiko aktiv. Ihre Hauptbetätigung: Raub, Erpressung, Drogen- und Menschenhandel, Prostitution, Auftragsmorde, Autodiebstahl.
Weltweit sollen mehr als 100 000 Personen zum Netzwerk der MS-13 gehören
Festnahme eines Gangmitglieds nahe San Salvador, am Abend vor der Präsidentenwahl 2014. In El Salvador wird MS-13 Einfluss auf die Politik nachgesagtFoto: picture alliance / dpa

Das Motto der Gang: „mata, viola, controla“ – töten, vergewaltigen, kontrollieren. Oft richtet sich die Gewalt gegen rivalisierende und eigene Gangmitglieder. Nicht selten sterben auch Unbeteiligte, die unabsichtlich zwischen die Fronten geraten.

Alleine in El Salvador starben bis heute mehr als 100 000 Menschen als Folge der anhaltenden Bandenkriege. Als Waffen benutzen die Gangs besonders gerne Macheten, um ihren Opfern größtmögliche Schmerzen zuzufügen.

„Wortführer“ kontrollieren „Cliquen“

Obwohl die MS-13 Gangs hierarchisch organisiert sind, existieren kaum namentlich bekannte Anführer. Die einzelnen Gruppen werden auch als „Cliquen“ bezeichnet, die von sogenannten „Palabreros“ (Wortführer) geleitet werden. Diese Zellen kontrollieren jeweils bestimmte Territorien.
Dabei hat jede „Clique“ ihre eigenen Hierarchien, es gibt Schatzmeister und andere Funktionsträger. Manche „Cliquen“ agieren über Ländergrenzen hinweg, viele bekämpfen sich untereinander. Wieder andere halten sich eher zurück, kontrollieren stattdessen viele kleine „Cliquen“. Diese unübersichtliche Organisationsstruktur macht es für Strafverfolgungsbehörden nahezu unmöglich, die Mara Salvatrucha effektiv zu bekämpfen.
Emerson Medina (Foto vom 29. September 2003) war zum Zeitpunkt dieser Aufnahme 19 Jahre alt. Verhaftet wurde er wegen illegalem Waffenbesitz, Beteiligung an Raub und Mord
Emerson Medina (Foto vom 29. September 2003) war zum Zeitpunkt dieser Aufnahme 19 Jahre alt. Verhaftet wurde er wegen illegalem Waffenbesitz, Beteiligung an Raub und Mord Foto: REUTERS

Hauptfeind der MS-13 sind Mitglieder der Mara „18“, die in Mittel- und Nordamerika ebenfalls sehr präsent ist. Dagegen sollen Salvatrucha-Cliquen eng mit dem mexikanischen Drogenkartell „Los Zetas“ kooperieren.

Gangs mischen in Politik mit

In El Salvador mischen die Banden sogar in der Politik mit, berichtet der Sender „arte“. Eine Studie des salvadorianischen Ministeriums für Sicherheit ergab, dass rund 600 000 Einwohner für MS-13, bzw. Mara 18 tätig sind.

Als die Regierung des Landes 2012 einen Waffenstillstand mit den konkurrierenden Banden aushandelte, ging die Mordrate schlagartig um 41 Prozent zurück. Als der neue Amtsinhaber den Waffenstillstand mit den Maras aufkündigte, ging das Morden wieder los. Mittlerweile sollen Gangmitglieder Überlegungen anstellen, eigene Parteien zu gründen, um zur Wahl antreten zu können. 2015 riefen Gangs die Busfahrer in El Salvador zum Streik auf, um das Land lahmzulegen. Die Fahrer, selbst häufig Opfer von Gewalt, machten anstandslos mit.
Die Gangs unterliegen keinen festen und einheitlichen Strukturen, sind für die Strafverfolger deshalb nur schwer zu zerschlagen
Die Gangs unterliegen keinen festen und einheitlichen Strukturen, sind für die Strafverfolger deshalb nur schwer zu zerschlagenFoto: picture alliance / AP Photo

Im Bezirk Las Victorias hatte die Mara Salvatrucha zwischen 2004 und 2015 sogar ein eigenes Gefängnis – Gefangene, die nicht Mitglied waren, wären sofort getötet worden. Mittlerweile sollen Polizisten und Soldaten für Sicherheit in dem berüchtigten Knast sorgen, allerdings sind die Zustände katastrophal: Das Gebäude ist für 800 Personen ausgelegt, schon 2012 saßen 2500 Gefangene ein. Auf einen Wachmann kommen 50 Insassen.

Trump will unter Gangs aufräumen 

Auch in den USA nimmt die Gang-Gewalt zu. Im April dieses Jahres töteten MS-13 Mitglieder vier junge Männer in New York. Die 16- bis 20-Jährigen waren mit Baseballschlägern malträtiert, ihre Körper anschließend mit Macheten zerhackt worden. Die Leichen fand man verbuddelt in einem Park.

US-Präsident Donald Trump will dem blutigen Treiben ein Ende setzen, sagte der Gang den Kampf an. Sein Versprechen an die US-Bürger: „Die MS-13 auf den Straßen unseres Landes wird bald Geschichte sein, glauben sie mir.“

Fraglich erscheint nur, ob Trump gelingt, was bislang noch keinem seiner Vorgänger gelang.

Brutalo-Bande Mara Salvatrucha

Denn nach wie vor ist es extrem schwierig, überhaupt in die inneren Zirkel der Gangs vorzudringen. Der TV-Journalist Christian Póveda hatte die Bande Mara 18 zwei Jahre lang begleitet, drehte einen bedrückenden Dokumentarfilm („La Vida Loca“, 2009). Allein während der Dreharbeiten kamen sieben Gang-Mitglieder ums Leben. Als Póveda in San Salvador für den zweiten Teil seines Films recherchierte, wurde er mit vier Kopfschüssen ermordet.


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