Hells Angels Chef über den Rockerkrieg

Die Aussagen unterscheiden sich teilweise und lassen doch tief blicken: Erstmals werden konkrete Details um das blutige Aufeinandertreffen dem Rockerkrieg von Hells Angels, Broncos und Bandidos vom Mai 2019 bekannt.

Noch immer ist unklar, was am 11. Mai 2019 in Belp genau geschah. An jenem Nachmittag kam es zur blutigen Fehde zwischen Anhängern der Hells Angels Zürich, den Broncos Bern und den Bandidos, die in der Schweiz noch nicht richtig Fuss fassen konnten. Recherchen der «Sonntagszeitung» bringen nun ein wenig Licht ins Dunkel. Alles begann an einem Töfftreffen in Murten FR, als einige Bandidos ihre Kutte offen zur Schau trugen. Am selben Abend feierten rund ein Dutzend Bandidos an der Steinbachstrasse in Belp den Geburtstag eines Kollegen. Dabei waren auch ehemalige Broncos MC Mitglieder, die wegen ihrer Bandidos-Sympathien aus dem Club geworfen worden waren, anwesend.

Die ausgelassene Verhalten der Konkurrenz passte den Hells Angels offenbar nicht und aus diesem Grund tauchten sie sie um 18 Uhr beim Fest in Belp auf. Dafür hatten sie beim befreundeten Motorradclub Broncos Unterstützung angefordert. Bezüglich Tathergang unterscheiden sich die Versionen der beiden Lager. Wie die Zeitung schreibt behaupten die Angreifer, sie hätten die Schweizer Bandidos lediglich «zur Rede stellen wollen». Die Gegenseite spricht hingegen davon, dass sie «unvermittelt angegriffen» wurde.

Tätowierer feuerte Schüsse ab
Unter den geladenen Gästen war auch ein Tätowierer aus Bern. Der Bandidos MC Sympathisant hat einem Gegner eine Waffe über den Kopf gezogen, wie er selber aussagte. Dabei habe sich ein Schuss gelöst. Dieser habe zur völligen Eskalation geführt: Broncos hätten mit Holzlatten auf Bandidos eingeschlagen, diese hätten sich versucht mit Messern und Warnschüssen in die Luft zu verteidigen. Schliesslich soll ein Auto der Zürcher Hells Angels auf die Bandidos zugerast sein – der Tätowierer feuerte mehrere Kugeln auf die Insassen. Ein Mann wurde von einer Kugel in die Brust getroffen und musste notoperiert werden. Insgesamt wurden drei Männer verletzt.

Der Berner Tätowierer sitzt heute noch in Untersuchungshaft. Er war nach einer ersten Einvernahme bei der Polizei untergetaucht. Weit kam er nicht: «Er verlässt die Liegenschaft nie und lässt sich das Essen dorthin liefern», heisst es im Protokoll, das die Polizisten erstellten, die den Mann beschatteten. 6300 Franken fanden die Beamten bei der Hausdurchsuchung. Diese waren im Kühlschrank gelagert. Der Angeklagte wartet seither auf den Prozess. Sein Anwalt Beat Luginbühl: «Als er zur Waffe griff, geschah dies aus Notwehr. Wir werden das vor Gericht so geltend machen.» Wann der Prozess stattfindet, kommunizieren die Behörden noch nicht.

Frieden zwischen den Clubs?
Patrick Hemi Hermetschweiler, Präsident der Zürcher Hells Angels, äussert sich gegenüber der «Sonntagszeitung» erstmals zum Zwischenfall von Belp: «Durch bereits gemachte Agreements unter allen beteiligten Clubs sollen Zwischenfälle wie in Belp in Zukunft verhindert werden.» Laut dem Rocker-Chef würden die Motorradclus in der Schweiz ein «freundschaftliches und friedliches» Verhältnis pflegen. Die Clubs würden sich dafür einsetzten, dass dies so bleibe. Laut Recherchen der Zeitung arbeiten die Bandidos jedoch daran, sich hierzulande niederzulassen: Die Gründung eines eigenen Chapters soll bevorstehen.


Schweiz - MRB.

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